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Entstehung und Anwendungsmöglichkeiten der da Vinci® Operation

Ob Krankenhauspersonal, Patienten oder Investoren, jeder, der den da Vinci®-Operationsroboter kennenlernt, möchte wissen: Woher kommt der Name und wie ist die Technologie der da Vinci® Operation entstanden? Zumindest der Name ist einfach zu erklären. Der Name „da Vinci“ steht für den Erfinder des 15. Jahrhunderts, den Maler und den Philosophen: Leonardo da Vinci. Er ist weltweit bekannt für seine Fortschritte in der anatomischen Forschung, nahm an Autopsien teil und fertigte unter anderem äußerst detaillierte Zeichnungen der menschlichen Anatomie an. Seine Kenntnisse führten schlussendlich zum Entwurf des ersten bekannten Roboters der Geschichte etwa im Jahr 1495. Schon immer war da Vinci fasziniert von Maschinen und Automatisierung, weswegen er eine Reihe von Modellen fertig stellte, nicht zuletzt einen mechanischen Ritter.

Von den enormen Fortschritten der 80er Jahre in den Bereichen Mikroelektronik und Computerwesen profitierte die Medizintechnik-Entwicklung. So etablierte sich die laparoskopische, also minimal invasive, Chirurgie zur operativen Entfernung der Gallenblase. Ermöglicht wurde dies primär durch die Entwicklung einer endoskopischen Kamera, einer langen, dünnen Röhre, auf deren Ende eine Kamera angebracht wurde. Die laparoskopische Technik entwickelte sich rasch und war bald für viele einfache chirurgische Eingriffe gebräuchlich, wie z.B. die Entfernung von allerlei Gewebe. Bei diesen einfachen Eingriffen blieb es jedoch lange Zeit, da sich niemand an minimal invasive OP-Methoden komplexerer Eingriffe heranwagte.

Wie entstand daraus der da Vinci® Operationsroboter?

Einige Forscher erkannten in den 1990er Jahren die Möglichkeit, die minimal invasive Chirurgie mit der Robotik zu kombinieren, um selbst komplizierte, operative Prozeduren mit 1-2cm großen Hautschnitten anstatt der bis dato benötigten 8-10cm zu ermöglichen. Nachdem 1992 die erste laparoskopische Entfernung der Prostata durchgeführt wurde, werden Prostatektomien bereits seit 2001 von robotischen Systemen wie dem da Vinci® System unterstützt. Der da Vinci®-Operationsroboter wurde 1999 von der Firma Intuitive Surgical in Sunnyvale, Kalifornien, auf den Markt gebracht und wurde seitdem stetig erweitert, angepasst und optimiert. Heute ist Intuitive Surgical der globale Marktführer auf dem Gebiet der minimal invasiven Roboter-assistierten Chirurgie. Weltweit wurden bereits über 3600 da Vinci® Operationsroboter aufgestellt, davon allein 85 in Deutschland und davon einer in der Urologischen Klinik München-Planegg.

Wie funktioniert die Computer assistierte da Vinci® Operation zur Prostataentfernung?

Im Operationssaal der Urologischen Klinik München-Planegg befindet sich das gleiche OP-Team wie bei jeder herkömmlichen Entfernung der Prostata: der Operateur, ein Assistent, ein Anästhesist und der Anästhesiepfleger, eine OP-Schwester und ein sogenannter Springer, der der OP-Schwester während des Eingriffs zureicht. Vor der da Vinci® Operation erhält der Patient eine Narkose von den Anästhesisten, wodurch er über die ca. zwei Stunden Dauer der Operation schläft und keine Schmerzen empfinden kann. Während der Anästhesist und der Anästhesiepfleger ihre Plätze im Kopfbereich des liegenden Patienten einnehmen, stellt sich der Assistent der Chirurgie steril an den Bauch. Gemeinsam haben die OP-Schwester und der Springer bereits alle Instrumente vorbereitet und den schlafenden Patienten steril abgedeckt.

Als Erstes wird CO2 in den Bauchraum geleitet, sodass sich dieser aufbläht, der OP-Bereich übersichtlicher wird und der Chirurg leichter zur Prostata gelangt. Mit sechs circa 7 bis 13 Millimeter großen Schnitten an der Bauchdecke verschafft sich der Operateur Zugang zur Prostata. Diese Öffnungen werden über sogenannte Ports offen gehalten.

Die Behandlung mit dem da Vinci® Operationsroboter

Nun wird der da Vinci® Operationsroboter von den sterilen OP-Kräften am Patienten positioniert und der Operateur begibt sich an die Bedienungskonsole entfernt vom OP-Tisch, wohingegen der Assistent am Patienten bleibt und je nach Bedarf die chirurgischen Instrumente austauscht. Durch die zuvor gesetzten Ports werden jetzt die sich an den Roboterarmen befindenden Instrumente, wie beispielsweise Spülung, OP-Clips, Nahtmaterial und die endoskopische Kamera, in den Bauchraum eingeführt. Die hoch auflösende, dreidimensionale HD-Darstellung der Kamera gewährt dem Arzt eine umfassende Sicht auf das Operationsgebiet mit bis zu 10-facher Vergrößerung. Falls nötig werden erst die Lymphknoten des Beckens entfernt, dann beginnt die Entfernung des Prostatakarzinoms unter ständigem Abgleich mit den Biopsie- und MRT-Bildern. Der da Vinci® Operationsroboter unternimmt hierbei keinen einzigen Operationsschritt eigenhändig, sondern alle Hand- und Fingerbewegungen des Chirurgen werden in kleinere, absolut präzise Bewegungen an die winzigen Instrumente im Körper des Patienten übertragen. So kann der operierende Arzt mit Hilfe der eingeführten Instrumente die Prostata freilegen und die darauf liegende Schicht, welche die Blutgefäße und Nerven beinhaltet, abtragen. Durch die hochauflösende Qualität des Bildschirms und die ruhigen Roboterarme, die größere Beweglichkeit als die menschlichen Gelenke aufweisen, kann der Chirurg bei einer da Vinci® Operation millimetergenau arbeiten und darauf achten, dass keine elektrische Energie oder Hitze in die Nähe der Nerven kommt, um diese nicht zu schädigen. Anschließend wird zunächst die Harnröhre oberhalb am Übergang zur Blase und unterhalb der Prostata durchtrennt. Durch die präzise Steuerung der da Vinci®-Arme kann der Harnröhrenschließmuskel zumeist vollständig erhalten werden und der Patient behält seine Kontinenz. Im Folgenden löst der Operateur die Prostata mitsamt des umliegenden Gewebes heraus und stellt durch eine Naht die Verbindung zwischen Harnblase und Harnröhre wieder her. Ein Dauerkatheter schient diese Verbindung und ermöglicht dem Patienten nach der OP die Harnausscheidung, bis der Katheter nach vier bis sieben Tagen wieder entfernt wird. Nun ist der roboter-unterstützte Teil der Prostatektomie beendet, die Ports werden aus der Bauchdecke entfernt und die sechs kleinen Schnitte mit einer Mini-Naht verschlossen.

Nach der da Vinci® Operationsroboter unterstützten OP

Der immer noch schlafende Patient gelangt in einem Bett in den Aufwachraum. Dort holen ihn nach einiger Zeit die Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen ab und bringen ihn in sein Zimmer in der Urologischen Klinik München-Planegg.

Welche Verbesserungen gibt es durch die da Vinci® Operation?

Seit 2004 hat sich das klinische Ergebnis der Roboter assistierten radikalen Prostatektomie (Prostataentfernung) vor allem in drei wichtigen Punkten stark verbessert. Zum einen ist die OP-Zeit von 200 Minuten auf 90 Minuten gesunken, zum anderen benötigen nur noch 0,5% statt 6% der Patienten eine Bluttransfusion und auftretende Komplikationen wurden durch die da Vinci® Operation von 4-7% auf gerade einmal 1% reduziert. Doch die größte Errungenschaft ist, dass sich die Männer nach der Roboter unterstützten Prostataentfernung wesentlich schneller erholen und schneller zurück in den Beruf oder Alltag gehen. Aufgrund dieser ausschlaggebenden Zahlen werden in den USA bereits 90% aller Prostatektomien von Robotern unterstützt. Alternative Roboter-Systeme werden auf den Markt drängen und auch in Zukunft neue vielversprechende Innovationen mit sich bringen.

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